Damit aus neuer Nähe echter Fortschritt wird, braucht es jedoch mehr als gute Gespräche und häufige Besuche. Es braucht konkrete Reformen. Aus Sicht der Wirtschaft sind vier Handlungsfelder entscheidend:
1. Deutliche Investitionen in die Digitalisierung. Best-Practices gibt es in beiden Ländern. Es gilt voneinander zu lernen und umzusetzen.
2. Weiterführung der Energietransformation bei einem gleichzeitigen Ansatz für alle Energieträger. Ideologie darf hier nicht führend sein, sondern Versorgungsicherheit und Kosteneffizienz.
3. Deutliche Förderung der Zukunftstechnologien. Beide Länder haben High-Tech-Agenda aufgestellt, die sich wunderbar ergänzen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit bieten.
4. Radikaler Abbau von Bürokratie, hier lohnt sich der Blick in die Niederlande. Der ehemalige Wirtschaftsminister Vincent Karremans kündigte im vergangenen Sommer an, innerhalb eines Jahres 500 Vorschriften zu streichen. Ein klarer Kurs, den auch Nachfolgerin Heleen Herbert fortführt. Zwischenstand: 315 konkrete Regeln stehen derzeit fest, wie Bürger auf der Webseite Regeldrukmonitor transparent und jederzeit live verfolgen können.
Die Voraussetzungen für eine neue Phase der Zusammenarbeit sind da: zwei handlungsfähige Regierungen, ein wachsender politischer Wille sowie eine Wirtschaft, die auf mehr Europa drängt.
Was jetzt zählt, ist Umsetzung. Die Wiederentdeckung des Nachbarn darf kein kurzfristiger Trend bleiben. Sie muss zum strategischen Leitprinzip werden. Denn in einer Welt, die unsicherer, fragmentierter und kompetitiver wird, gilt mehr denn je: Europas Stärke entsteht aus Zusammenarbeit. Und diese Zusammenarbeit beginnt – ganz konkret – zwischen Deutschland und den Niederlanden.
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