Diese Debatte wird ebenso intensiv in Deutschland geführt. Bürokratie ist auch hier eines der größten Wachstumshemmnisse. Umso aufmerksamer verfolgen viele Unternehmen derzeit die Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, zwei der bevölkerungs- und wirtschaftsstärksten Länder Deutschlands. Beide Bundesländer haben der Bürokratie den Kampf angesagt und verfolgen dabei ungewöhnlich weitreichende Ansätze.
Nordrhein-Westfalen plant einen wahren Paradigmenwechsel: Ab 1. Januar 2027 sollen sämtliche landesseitigen Berichts- und Dokumentationspflichten für Unternehmen entfallen – es sei denn, ihre Notwendigkeit wird ausdrücklich begründet. Dieses Prinzip der Beweislastumkehr markiert eine politische Zäsur. Hinzu kommen umfassende Digitalisierungsmaßnahmen, vereinfachte Verwaltungsverfahren und neue Freiräume für Kommunen, regulatorische Innovationen zu testen.
Auch Baden-Württemberg setzt auf einen radikalen Bürokratieabbau. Kleine und mittlere Unternehmen sollen um 35 Prozent, andere Unternehmen um 25 Prozent entlastet werden. Geplant sind ein Effizienzgesetz, eine verbindliche „One in-two-out“-Regel sowie ein konsequenter Verzicht auf sogenanntes Gold-Plating bei der Umsetzung europäischer Vorgaben. Dahinter steht ein klares politisches Leitbild: mehr Vertrauen in Unternehmen, mehr Ermöglichungskultur und weniger staatliche Detailsteuerung.
Mutige Reformen beim Bürokratieabbau könnten dabei zum Vorbild werden – für andere Bundesländer, die Bundesregierung und ebenso für die Niederlande und ihre Provinzen.
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